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Welche Rolle spielen Drogen an den Hochschulen?

06 Jul 2022
Nicht ohne mein Ritalin: für viele gehört die Einnahme zum morgendlichen Ritual wie Zähneputzen.

Wenn der Leistungsdruck zu hoch wird, greifen manche Studenten zu vermeidlichen Hilfsmitteln. Drei von ihnen erzählen unter geändertem Namen von ihren Erfahrungen mit dem Medikament Ritalin.

Max hat in einer Woche Prüfung, aber am Abend ist Party angesagt. Natürlich will der Student der Staatswissenschaften gute Leistungen bringen. „Aber wenn du schon an sechs von sieben Tagen die Woche was für die Uni machst, willst du auch mal weggehen“, sagt er. Am nächsten Tag wird er nur schwer aus dem Bett kommen. Er wird müde sein, verkatert, unmotiviert. An seine normale Leistungsfähigkeit wird er nicht herankommen, erzählt er. Denn so sieht ein typischer Morgen nach einer Partynacht für Max aus. Aber das ist ihm egal, Max nimmt Ritalin. Zehn Milligramm, und er sitzt bis abends in der Bibliothek. Die Tabletten bekommt er von Leuten, denen das eigentliche ADHS-Medikament ärztlich verschrieben worden ist. „Klar ist es irgendwie fairer, wenn man nicht gedopt ist“, sagt Max, der wie alle Studierenden in diesem Text in Wirklichkeit anders heißt. Aber kontrollieren könne man es nicht. Nur das Ergebnis zähle. „Und wie du da hinkommst, steht dir frei.“ Was Max und viele seiner Kommilitonen praktizieren, nennt sich Neuroenhancing.

„Neuroenhancing ist der Gebrauch verschreibungspflichtiger Psychopharmaka ohne medizinische Diagnose“, sagt Greta Wagner vom Institut für Soziologie an der Technischen Universität Darmstadt. Sie hat zum Thema Selbstoptimierung durch Neuroenhancement in Deutschland und den USA promoviert.

Intelligenter wird man durch Ritalin zwar nicht, sagt sie. Der Wirkstoff Methylphenidat könne aber für einen Motivations- und Aktivitätsschub sorgen – und deswegen die Konzentration der Studierenden aufrechterhalten. Allerdings tritt die erhoffte Wirkung Wagner zufolge nur bei den wenigsten ein: „Bei vielen ist der Effekt einfach nur, dass sie eine unbestimmte Nervosität spüren, anfangen zu schwitzen, wie wild ihre ganze Wohnung aufräumen“, sagt sie. Am Ende hätten die Studierenden zwar viel gemacht, aber alles, „außer ihre Hausarbeit zu schreiben“.

Eine Debatte über die grobe Verletzung der Fairness im Studium durch Neuroenhancer hält Wagner daher für übertrieben. Zwar könnten sich Einzelne einen gewissen Vorteil verschaffen, wenn Ritalin bei ihnen auf eine spezifische Weise wirke. Aber: „Wir laufen nicht alle bei null los, und dann nehmen einige leistungssteigernde Medikamente und haben dadurch diesen substanziellen Vorteil“, sagt die Soziologin. So hätten medizinische Tests gezeigt, dass Probanden unter Einfluss von Medikamenten zur Leistungssteigerung Aufgaben nicht wesentlich besser lösen konnten als diejenigen, die keine der Medikamente genommen haben. Beim Schreiben von Hausarbeiten kann Ritalin sogar hinderlich sein: „Man hat es vielleicht in sehr kurzer Zeit geschafft, viele Seiten zu tippen“, sagt sie. Komme dafür aber nicht auf den Punkt oder denke, alles sei wichtig.

Wer Neuroenhancer nimmt, habe nicht automatisch die besseren Noten, sagt die Soziologin. Der Nutzen des Gehirn-Dopings ist vielmehr zweifelhaft. Zudem kann Ritalin starke Nebenwirkungen haben. Neben Schweißausbrüchen berichteten Konsumenten von Einschlafproblemen, Appetitlosigkeit, körperlicher Erschöpfung und kurzen depressiven Phasen, wenn die Wirkung der Tabletten nachlässt.

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