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Ende in Auseinandersetzung um Internetadresse

18 Jun 2021
Zwei Unternehmen, ein Name: hier der Schriftzug der Merck KGaA am Stammwerk in Darmstadt

Der Merck-Konzern aus Darmstadt streitet sich seit einem Jahrzehnt mit seinem amerikanischen Namensvetter Merck&Co um die Verwendung des Firmennamens im Internet. Inzwischen haben sie eine Lösung gefunden.

Als Aktivist hat man es nicht leicht. Da will man für einen anscheinend guten Zweck wie günstige Medikamente für Südafrika demonstrieren, findet heraus, dass es ein Unternehmen namens Merck gibt, was dagegen agitiert, plant also eine Protestaktion vor dessen Büro in London – und muss sich dann dafür verlachen lassen, dass es das falsche Merck-Büro war.

Die Gruppe Stopaids störte sich am Auftreten von Merck&Co aus Amerika, war dann aber vor die Vertretung des Merck-Konzerns aus Darmstadt gezogen. Die beiden Unternehmen sind zwar historisch betrachtet verwandt, wirtschaften aber komplett voneinander getrennt.

Vermutlich hatten die Organisatoren im Jahr 2014, als ihnen die Panne unterlief, den Konzernnamen einfach im Internet gesucht. Und nicht gewusst, dass es zwei Hersteller mit diesem Namen gibt. Das war lange kein allzu großes Problem.

Doch nun gibt es eben das Internet, das sich wenig um Ländergrenzen und Geographie schert. Das löste einen nur scheinbar skurrilen Rechtsstreit zwischen beiden Unternehmen aus, der fast ein Jahrzehnt angedauert hat – und für den nun offenbar ein Kompromiss gefunden wurde.

Infolge des Ersten Weltkriegs war das 1668 in Darmstadt gegründete Unternehmen Merck in den Vereinigten Staaten enteignet und damit vom dortigen Tochterunternehmen Merck&Co. getrennt worden. Seitdem gibt es zwei Merck-Pharmaunternehmen, die heutige Merck KGaA in Darmstadt und Merck&Co. mit Sitz im US-Bundesstaat New Jersey.

Die Amerikaner dürfen den Familiennamen nur in Nordamerika einsetzen, im Rest der Welt müssen sie als MSD auftreten. Umgekehrt dürfen die Darmstädter sich in den USA und Kanada nur EMD nennen. Darauf hatten sich beide Pharmakonzerne 1955 geeinigt. Das funktionierte gut, erst mit Internet und E-Mail kam neue Verwirrung auf.

2011 etwa mussten beide Konzerne vor Gericht klären lassen, wer im weltweiten Vermarktungsnetzwerk Facebook als Merck auftreten darf – die Adresse www.facebook.com/merck führt ins Leere, unter www.facebook.com/merckgroup ist der Auftritt der Darmstädter zu finden. Den Internetnamen merck.com haben sich hingegen die Amerikaner gesichert, ein britisches Gericht untersagte es ihnen allerdings 2016, in Großbritannien mit Adressen wie merckresponsibility.com oder merckformothers.com zu werben.

Der aktuelle Rechtsstreit dreht sich um eine Endung. Von 2013 an führte die für Internetnamen zuständige Organisation Icann mehr als 1300 neue Namensendungen ein, sogenannte generic Top-Level-Domains (gTLD).

Netzadressen waren seitdem nicht mehr nur unter Kürzeln wie .com, .net , .de oder .cn erreichbar, fortan waren auch die Registrierung von Endungen wie .club, .academy oder .berlin erlaubt. Die neue Modemesse Fashion Week etwa kann über die Adresse frankfurt.fashion für sich werben. Auch Firmennamen sind seitdem möglich. Wie zum Beispiel .merck.

Doch welcher der beiden Konzerne hat Anspruch auf diese Internetendung? Derjenige, der schneller ist? Der, der mehr bietet? Der Amerikaner, weil die Icann-Organisation ihren Sitz in den USA hat? Beide versuchten den Namen zu registrieren, und erhoben jeweils Einspruch gegen die Registrierung durch den anderen. 2019 drohte die Organisation wegen des Dauerdisputs sogar mit einem ungewöhnlichen Schritt – der öffentlichen Versteigerung der Endungsrechte. Das wendeten beide Konzerne mit einem gemeinsamen Appell ab.

Inzwischen haben sie eine Lösung gefunden, wie der Rechtsanwalt Florian Hitzelberger auf dem Fachblog Domain-recht.de berichtet. Merck hat, wie der Icann-Datenbank zu entnehmen ist, seine Bewerbung um den Namen zurückgezogen. Die amerikanische Merck könnte damit den Zuschlag erhalten. In nachgereichten Unterlagen an Icann jedoch heißt es, Merck&Co. plane eine Übertragung der Kontrollrechte an das Unternehmen MM Domain Holdco (MMDH).

Offenbar ist die neue Firma ein Joint Venture: MM Domain Holdco Ltd. wurde am 25. November 2020 ins britische Handelsregister eingetragen, laut den Anmeldeunterlagen ist zu diesem Zeitpunkt die deutsche Merck der Hauptaktionär. Der Darmstädter Konzern wollte sich auf Nachfrage nicht zu dem Vorgang äußern.

Im Frühjahr 2021 erfolgte eine Kapitalerhöhung auf eine Million britische Pfund und eine Halbierung der Anteile. In einem Schreiben an Icann vom März 2021 erklärt der amerikanische Konzern, dass er Anteile an MMDH besitze. Als Geschäftsführer der Neugründung werden zwei Anwältinnen und David Peacock aufgeführt, Standortmanager für die amerikanische Merck in Großbritannien, wie Daten der Auskunftei Northdata zeigen.

Denkbar wäre, dass die beiden Unternehmen sich die neue Domain-Endung nun teilen, oder, was wahrscheinlicher sein dürfte, sie beide nicht nutzen, aber vor dem Zugriff anderer gesichert haben. Dass beide Unternehmen auf eine eigene Endung verzichten müssen, heißt das aber nicht. Die Amerikaner haben bereits den Zuschlag für die Endungen .msd und .merckmsd erhalten, und die Darmstädter für .emerck – E. Merck heißt die Darmstädter Beteiligungsgesellschaft der Merck-Erben, die die Mehrheit am börsennotierten Konzern hält.

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